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Micha Vente und der Alte Kanal
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Micha Vente und Armin Wolf hatte irgendwann mal beschlossen, den Alten Kanal abzulaufen. Nachdem Armin Wolf aber am UTMB teilnahm (siehe sein Bericht) und dieses Jahr für ihr Vorhaben keine Zeit blieb, beschloß Micha Vente, ihr Vorhaben allein in die Tat umzusetzen. Hier nun ihr Bericht......

Ja, an diesem Wochenende sollte sie nun stattfinden: Meine Tour am Alten Kanal.

Nachdem ich vor einigen Wochen einen vierstündigen Lauf dort gemacht habe, kam ich von der Idee nicht mehr los und bereitete mich vor: ich besorge mir Karten und Infomaterial, maß die Strecken aus und informierte mich über die Anfahrtsgelegenheiten.


Am Samstag früh um 7 ging es los: Mein Plan war, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis Beilngries zu fahren und dann einfach am Alten Kanal (ehem. Ludwig-Donau-Main-Kanal oder Ludwigskanal) zurück nach Fürth zu laufen. Eine ganz schön lange Strecke von ca. 80km mit vielen Schleusen und interessanten Streckenabschnitten.

Die Marathonis hatte ich natürlich im Gepäck und das wortwörtlich: Meine Laufjacke der Down-Syndrom-Marathonstaffel wurde kurzerhand am Rucksack festgeschnürt, gut sichbar jedoch unser Schriftzug.
Das Wetter war ideal, nicht zu warm und ab und zu mal ein kleiner Schauer und zwischendurch Sonne.

Den eigentlichen Lauf begann ich um 9:30. Die ersten 25km ging der Alte Kanal parallel zur Straße nach Neumarkt entlang und ich konnte entspannt auf dem Radweg laufen. Da ich mir meinem Weg teilweise durch hohes Gras und Schilf suchen mußte, hatte ich bereits nach kurzem nasse Füße und ich dachte, dass die ersten Blasen nicht lange auf sich warten lassen würden. Aber dies traf dann Gott sei Dank nicht ein.

Bei Mühlbach wurde ich Zeuge des Treidelns: Ein Pferd zog ein Schiff den Kanal hinauf. Dies hatte ich so noch nicht gesehen. Der Höhepunkt war jedoch, als das Treidelschiff in eine der alten Schleusen einfuhr und in die Höhe gehoben wurde.

Kurz vor Neumarkt rief ich einen Bekannten von mir an, der spontan am Vortag zugesagt hatte, mich mit "Mittagessen" zu versorgen und ein Stück auf dem Rad zu begleiten. Ich freute mich auf ihn und die Abwechslung, denn ich hatte bis Neumarkt bereits fast 30km in den Beinen. Und natürlich auch darauf, daß er mir meinen Rucksack auf dem Fahrrad abnahm.

Achja, mein Rucksack: Ein Selbstversorgungslauf ist immer a bisserl härter als ein Lauf mit Versorgungsstationen und ab und zu fragte ich mich schon, ob mein Rucksack auch treideln könnte, d.h. ob ich ihn nicht einfach ins Wasser werfen könnte und an einer Schnur hinter mir herziehen könnte :-)). Am Ende hatte ich in den Schultern mehr Muskelkater als in den Beinen.

Nach Neumarkt ging es gestärkt Richtung Burgthann weiter, vorbei an Apfel- und Pflaumenbäumen. Hier war der Kanal endlich so, wie ich ihn liebe. Natur pur. Bei strahlendem Sonneschein verpflogen die nächsten Kilometer und die Zeit wie nichts und ich genoß den Duft der Wiesen, den kühlen Luftzug und die Wärme der Sonnestrahlen.

In der Nähe der Pfeifferhütte begrüßte mich ein Hausbesitzer eines Schleusenhäuschens mit den Worten: "Ja, Sie schon wieder...und immer noch auf der Flucht". Naja, kein Wunder. Das war auch fast meine "Hausstrecke" und bis zur Waldschänke Brückkanal war es nicht mehr weit. Dort gönnte ich mir ein Radler und eine Brotzeit und lief weiter.
Für mich gehört der Abschnitt von Pfeifferhütte bis zum Brückkanal zu den schönsten Abschnitten des Kanals. Die Strecke ist durch die vielen Schleusen sehr abwechslungsreich, da jede von ihnen anders aussieht; es gibt immer irgendetwas zu entdecken.

Leider musste ich vor Wendelstein noch eine Umleitung von ca. 5km in Kauf nehmen, da durch die Regenfälle der vergangen Wochen die Erdwände des Alten Kanals abgerutscht waren. Das zehrte schon an meiner Moral und daher beschloss ich, nur bis nach Nürnberg in die Gartenstadt zu laufen.
Bis nach Nürnberg zog sich die Strecke dann doch noch ganz schön, aber ich habe ich meinen Ausflug in keinem Moment bereut oder gedacht, daß ich es nicht schaffe. Im Gegenteil, je näher ich dem Ziel kam, desto breiter wurde mein Grinsen auf dem Gesicht.
Auf dem letzten Stück fing es dann noch richtig an zu regnen, dass ich meine Regensachen anziehen musste. Aber meine Badewanne war ja nicht mehr weit...

Um 22:00 war ich dann zu Hause angelangt, wo ich erschöpft, aber glücklich ins Bett fiel.

Ich weiß, dass dies nicht das letzte Mal ist, wo ich diese Tour gemacht habe.
Ich machte viel nette Begegnungen, bekam Aufmunterungsrufe und auch unverständliches Kopfschütteln als Antwort. Aber wir wissen: Als Läufer muss man ebend auch ein bisschen verrückt sein :-)

Lieber Armin, es tut mir leid, daß Du "Deinen" UTMB nicht finishen konntest und soviel Vorbereitung umsonst war. Bei mir bist Du auf alle Fälle im Herzen mitgelaufen und irgendwie war er auch Deinen Leistungen in den letzen Monaten gewidmet...und Ehre, wem Ehre gebührt! Wir sehen uns in München oder vorher..:-)

In diesem Sinne euch allen eine schöne Woche
Alles Liebe - Micha Vente

Mehr Infos und viele Bilder zum Alten Kanal gibts hier und auch einige Fotos vom mir im Webalbum

 
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